Postwachstum

Im Zentrum des Postwachstums steht die Frage nach Lösungen für eine resiliente und nachhaltig orientierte Zukunftsgestaltung in allen Bereichen des menschlichen Zusammenlebens. Versuche, dem Wachstumsparadigma durch technologischem Fortschritt zu entkommen, sind spätestens seit der Veröffentlichung des kritischen Berichts Die Grenzen des Wachstums des Club of Rome (1972) und der ersten Ölkrise (1973) auch ein Thema von Design. Dabei äußert sich bereits auch der ambivalente Charakter von Design als Teil der Lösung und (Mit)verursacher des Problems. Die Kritiken reichen von Viktor Papanek’s Design for the real world (1970) bis zu Lucius Burckhardt’s Design ist unsichtbar (1980). Zur Vielzahl an Überlegungen des Postwachstums oder Degrowth gehören Konzepte des Guten Lebens, Rechte der Natur im Gegensatz zu dem von Menschen geschaffenen Anthropozän, der Care Wirtschaft, der Commons und Gemeingüter, der Kapitalismuskritik und Umverteilung, der Dienstleistungsgesellschaft, des Grundeinkommens, des Konvivialismus. Die dekoloniale Perspektive erfordert eine Neusituierung von Postwachstum in Bezug auf den globalen Süden und auf indigene und andere Widerstandsbewegungen. Dekoloniales Wachstum wird verstanden als eine Strategie der Wiederherstellung, der Erneuerung durch Mobilisierung von traditionellem Wissen, Suffizienz und den Widerstand gegen Wachstum durch Deterritorialisierung. Im Kontext von Globalisierung und Digitalisierung hat die Notwendigkeit einer Transformation des Wachstumsparadigmas deutlich an Dringlichkeit gewonnen. Es stellt sich die Frage, welche Rolle Designer*innen bei und in der Gestaltung einer Postwachstumsgesellschaft einnehmen können. Kann sich Design den wirtschaftlichen Zwängen entziehen und Ressourcenschonend sein? Wie sieht ein ‚Re-Design‘ des Verhältnisses von Rohstoff und Erzeugnis aus? Wie lassen sich Prozesse, Situationen und Systeme denken, die neue Handlungs- und Gestaltungsspielräume jenseits des Wachstumsparadigmas eröffnen? Kann Gestaltung eine Mäßigung, wenn nicht gar eine Umkehr von Wachstumsprozessen erreichen? Welche neuen Paradigmen im Design sind dafür notwendig?